Die Patellasehnenruptur: Wenn die Streckkette des Knies versagt – Ursachen, Notfallversorgung und Rehabilitation

Ein plötzlicher Knall, ein Einbrechen des Knies, die unmögliche Streckkraft – die Patellasehnenruptur ist eine der schwerwiegendsten Knieverletzungen überhaupt. Sie betrifft bevorzugt sportlich aktive Menschen unter 40 Jahren, tritt aber auch bei älteren Patienten mit vorbestehender Sehnendegeneration auf. Ohne operative Versorgung ist die aktive Streckung des Kniegelenks dauerhaft unmöglich.

Anatomie: Die Patellasehne als zentrales Element der Streckkette

Die Patellasehne (Ligamentum patellae) verbindet die Kniescheibe (Patella) mit dem Schienbein (Tuberositas tibiae). Zusammen mit der Quadrizepssehne, der Kniescheibe selbst und dem Musculus quadriceps femoris bildet sie die Streckkette des Kniegelenks. Im Vergleich zur Quadrizepssehne ist die Patellasehne beim jüngeren Erwachsenen das schwächere Glied in dieser Kette – weshalb vollständige Rupturen häufiger hier auftreten.

Verletzungsmechanismus

Exzentrische Überlastung

Der häufigste Mechanismus ist eine plötzliche, starke exzentrische Belastung des Quadrizeps bei gleichzeitiger Kniebeugung – etwa beim unerwarteten Sturz, beim harten Landen nach einem Sprung oder bei einer Gewichthebeübung. Die einwirkende Kraft übersteigt dabei die Zugfestigkeit der Sehne.

Vorbestehende Degeneration

Viele Patellasehnenrupturen entstehen auf dem Boden einer vorbestehenden Patellatendinopathie mit struktureller Degeneration des Sehnengewebes. Auch Kortikosteroidinjektionen in die Sehne, systemische Erkrankungen (chronische Niereninsuffizienz, rheumatoide Arthritis) und die Langzeiteinnahme von Fluorochinolonen erhöhen das Rupturrisiko.

Klinisches Bild und Diagnostik

Das akute Beschwerdebild ist eindeutig: plötzlicher, intensiver Schmerz im vorderen Kniebereich mit wahrnehmbarem Knallgeräusch, unmittelbarer Funktionsverlust – die aktive Streckung des Knies gegen Schwerkraft ist nicht mehr möglich – und eine tastbare Delle unterhalb der Kniescheibe. Klinisch wegweisend ist die nach oben verlagerte Kniescheibe (Patella alta) durch den Zug der intakten Quadrizepssehne.

Das Röntgenbild zeigt die Patellastellung und schließt knöcherne Ausrissverletzungen aus. Das MRT lokalisiert die Ruptur genau und beurteilt den Retraktionsgrad sowie Begleitverletzungen.

Therapie: Operative Versorgung als Standard

Die komplette Patellasehnenruptur ist eine absolute Operationsindikation. Je früher die operative Versorgung erfolgt, desto einfacher ist die direkte Sehnennaht möglich. Goldstandard ist die direkte Sehnennaht mit transossären Nähten oder Ankernahtfixierung, gesichert durch eine vorübergehende Augmentation, die die Sehne in der frühen Heilungsphase entlastet.

Rehabilitation: Der lange Weg zurück

Frühe Phase (0–6 Wochen): Schutz der Naht durch Knieschiene, Teilbelastung, isometrische Quadrizepsübungen, Frühmobilisation bis 60–90 Grad.

Aufbauphase (6–16 Wochen): Schrittweise Steigerung der Beweglichkeit, progressives Krafttraining im geschlossenen System, Fahrradergometer.

Sportvorbereitungsphase (4–9 Monate): Plyometrisches Training, sportartspezifische Bewegungsformen, Propriozeption. Die Rückkehr zum Sport sollte sich an Kraft- und Funktionskriterien orientieren – nicht an einem fixen Kalender.

Patellasehnenruptur – das Wichtigste

 

  – Ruptur macht aktive Kniestreckung unmöglich – immer Notfall

  – Typisch: Knall, Kraftverlust, tastbarer Defekt, Patella alta

  – Diagnose: klinisch + Röntgen + MRT

  – Therapie: operative Sehnennaht so früh wie möglich

  – Reha: 6–9 Monate, strukturiert und schrittweise

 

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