Hyaluronsäure, PRP und Kortison: Was Injektionen ins Knie wirklich leisten – und wann sie sinnvoll sind
Injektionen ins Kniegelenk gehören zu den häufig eingesetzten Behandlungsmethoden in der modernen Orthopädie – und gleichzeitig zu den am meisten diskutierten. Patientinnen und Patienten fragen mich regelmäßig: Was genau wird da gespritzt? Wirkt das wirklich? Und ist das nicht eine Standardlösung, die jeder bekommt?
Die Antwort auf die letzte Frage ist eindeutig: Nein. Eine Injektion ist kein Standardverfahren, sondern ein gezielt eingesetztes Instrument – mit klarer Indikation, spezifischer Substanzauswahl und definiertem Behandlungsziel. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Substanzen, ihre Wirkungsweise und wann ihr Einsatz medizinisch sinnvoll ist.
Wann kommen Injektionen ins Knie in Betracht?
Injektionstherapien kommen in der Regel dann in Betracht, wenn konservative Basismaßnahmen – Physiotherapie, Trainingstherapie, Gewichtsreduktion, Hilfsmittelversorgung – allein nicht ausreichen, um Schmerzen und Funktionseinschränkungen ausreichend zu lindern. Sie werden als Ergänzung eingesetzt, nicht als Ersatz für andere Therapieformen.
Typische Situationen sind: aktivierte Kniearthrose mit Schmerz und Erguss, entzündliche Reizzustände der Gelenkschleimhaut, Schmerz bei fortgeschrittenem Knorpelschaden sowie der gezielte Einsatz im Rahmen eines multimodalen Behandlungsplans.
Hyaluronsäure – Gelenkschmierung von innen
Was ist Hyaluronsäure?
Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit). Sie sorgt für die Viskosität und Elastizität der Gelenkflüssigkeit und übernimmt damit eine wichtige Schmierfunktion für die Gelenkflächen. Bei der Arthrose ist die körpereigene Hyaluronsäure in ihrer Menge und Qualität vermindert.
Wie wirkt die Injektion?
Durch die Injektion von Hyaluronsäure direkt ins Gelenk wird die Viskosität der Gelenkflüssigkeit verbessert, was die Schmierfunktion und damit die Beweglichkeit des Gelenks unterstützt. Darüber hinaus hat Hyaluronsäure einen antientzündlichen Effekt und kann die Knorpelzellen positiv beeinflussen. Die Wirkung setzt in der Regel nach wenigen Wochen ein und kann mehrere Monate anhalten.
Für wen ist sie geeignet?
Hyaluronsäure wird bevorzugt bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose eingesetzt – wenn noch ausreichend Gelenkknorpel vorhanden ist und die Beschwerden vor allem durch Schmerz und eingeschränkte Beweglichkeit geprägt sind. Bei fortgeschrittener Arthrose mit sehr geringem Gelenkspalt ist die Wirksamkeit begrenzt.
PRP – plättchenreiches Plasma
Was ist PRP?
PRP steht für Platelet-Rich Plasma – auf Deutsch: plättchenreiches Plasma. Es wird aus dem eigenen Blut des Patienten gewonnen: Durch Zentrifugation wird das Blut aufgetrennt, und der wachstumsfaktorenreiche Plasmaanteil wird konzentriert. Das Ergebnis ist eine körpereigene Substanz mit hoher Konzentration an Wachstumsfaktoren und entzündungshemmenden Botenstoffen.
Wie wirkt PRP?
Die in PRP enthaltenen Wachstumsfaktoren – darunter PDGF, TGF-β und VEGF – regen körpereigene Reparaturprozesse an, hemmen Entzündungsreaktionen und unterstützen die Regeneration von Knorpel- und Weichgewebe. PRP wirkt nicht kurzfristig symptomatisch wie Kortison, sondern zielt auf eine mittel- bis langfristige Verbesserung der Gelenksituation ab.
Für wen ist PRP geeignet?
PRP wird besonders bei jüngeren, aktiven Patienten mit früher bis mittlerer Kniearthrose oder bei isolierten Knorpelschäden eingesetzt. Auch nach Meniskusoperationen oder bei chronischen Sehnenreizungen am Knie zeigt PRP in klinischen Studien positive Ergebnisse. Die Methode ist besonders dann attraktiv, wenn körpereigene Regeneration ohne Cortison erwünscht ist.
Kortikosteroide – rasche Entzündungshemmung
Was bewirken Kortikosteroide?
Kortikosteroide – umgangssprachlich als Kortison bekannt – sind potente entzündungshemmende Substanzen. Als intraartikuläre Injektion reduzieren sie rasch Entzündungsreaktionen in der Gelenkschleimhaut, lindern Schmerzen und können Gelenkergüsse verkleinern.
Wann sind sie sinnvoll?
Kortikosteroide sind besonders bei akut entzündeten, stark schmerzhaften Kniegelenken mit deutlichem Erguss indiziert – etwa bei aktivierter Arthrose oder entzündlicher Synovitis. Die Wirkung setzt rasch ein (oft innerhalb weniger Tage) und ermöglicht es, wieder mit Physiotherapie und Training zu beginnen.
Was ist dabei zu beachten?
Kortikosteroide sind kein dauerhaftes Therapiemittel. Wiederholte Injektionen in kurzen Abständen können den Knorpel langfristig schädigen und sollten vermieden werden. In meiner Praxis werden Kortikosteroid-Injektionen gezielt und in Kombination mit einem begleitenden Therapieprogramm eingesetzt – nicht als alleinige Maßnahme.
Wie treffe ich die Entscheidung?
Die Wahl der geeigneten Substanz hängt von mehreren Faktoren ab: dem Ausmaß des Gelenkschadens, dem klinischen Befund (Schmerz, Erguss, Entzündungszeichen), dem Alter und der Aktivität der Patientin oder des Patienten sowie den individuellen Therapiezielen.
In meiner Ordination werden Injektionen immer auf Basis einer gründlichen klinischen Untersuchung und aktueller Bildgebung entschieden. Sie sind eingebettet in einen übergeordneten Therapieplan – mit klarer Aufklärung, geplanter Nachkontrolle und dem Ziel einer nachhaltigen Verbesserung.
Die drei wichtigsten Injektionssubstanzen im Vergleich
Hyaluronsäure:
Indikation: leichte bis mittlere Arthrose | Wirkbeginn: 2–4 Wochen | Dauer: Monate
PRP (plättchenreiches Plasma):
Indikation: frühe Arthrose, Knorpelschaden | Wirkbeginn: 4–8 Wochen | Dauer: Monate–Jahre
Kortikosteroide:
Indikation: akute Entzündung, Erguss | Wirkbeginn: Tage | Dauer: Wochen–Monate
Injektionstherapie – lassen Sie uns gemeinsam entscheiden
Ob eine Injektion für Sie sinnvoll ist und welche Substanz am besten zu Ihrer Situation passt, bespreche ich gerne in einem persönlichen Gespräch.
In meiner Ordination erhalten Sie keine Standardlösung, sondern eine Empfehlung, die auf Ihrem individuellen Befund basiert.
Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin:
www.dr-sorger.com | patient.latido.at/arzt/_Dr._Sebastian_Sorger