Knorpelschäden am Knie und Bursitis: Pathologie, Einteilung und aktuelle Therapieoptionen

Zwei Erkrankungen, die häufig unterschätzt werden, begegnen mir in der orthopädischen Praxis regelmäßig: der fokale Knorpelschaden – oft zufällig oder spät entdeckt – und die Bursitis, die durch ihr akutes Erscheinungsbild beunruhigt, aber gut behandelbar ist. Dieser Beitrag erklärt Pathologie, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten für beide.

Teil 1: Knorpelschäden am Kniegelenk

Besonderheiten des Gelenkknorpels

Der hyaline Gelenkknorpel – eine wenige Millimeter dünne Schicht auf den Gelenkflächen von Femur, Tibia und Patella – ist einzigartig in seiner biomechanischen Funktion: Er verteilt Druckkräfte, ermöglicht reibungsarme Bewegung und schützt den darunter liegenden Knochen. Gleichzeitig ist er in seiner Regenerationsfähigkeit stark eingeschränkt: Er besitzt weder Blutgefäße noch Nerven und ernährt sich ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit.

Diese Avaskulärität bedeutet einerseits, dass Knorpelschäden kaum schmerzen, solange der subchondrale Knochen nicht betroffen ist – und andererseits, dass Defekte nicht spontan ausheilen. Einmal geschädigter hyaliner Knorpel wird durch minderwertigen Faserknorpel ersetzt, sofern keine gezielte Therapie erfolgt.

Einteilung nach Outerbridge

Die klinisch gebräuchlichste Klassifikation von Knorpelschäden ist die Outerbridge-Einteilung in vier Schweregrade:

Grad I: Der Knorpel ist erweicht, die Oberfläche aber intakt. Arthroskopisch zeigt sich eine Schwammkonsistenz beim Tasthaken. Klinisch oft stumm.

Grad II: Oberflächliche Rissbildung und Fibrillation, weniger als die Hälfte der Knorpeldicke betroffen. Erste Symptome können auftreten.

Grad III: Tiefe Risse bis auf den subchondralen Knochen, mehr als die Hälfte der Knorpeldicke betroffen. Deutliche Beschwerden bei Belastung.

Grad IV: Vollständiger Verlust des Knorpelüberzugs mit freiliegendem Knochen. Entspricht lokalem Knorpelglatzen – klinisch als fokaler Knorpeldefekt oder im Rahmen der Gonarthrose.

Moderne Knorpeltherapie

Die Therapie richtet sich nach Schweregrad, Defektgröße, Lokalisation und Alter des Patienten.

Bei Grad I und II steht die konservative Therapie im Vordergrund: Belastungsreduktion, Muskelkräftigung, Gewichtsoptimierung und gegebenenfalls intraartikuläre Injektionen (Hyaluronsäure, PRP). Ziel ist die Verlangsamung des Fortschreitens und die Symptomkontrolle.

Bei Grad III und IV mit klinisch relevanten Symptomen und geeigneter Defektgeometrie kommen operative Verfahren in Betracht. Die Mikrofrakturierung – das gezielte Einbringen kleiner Löcher in den subchondralen Knochen – regt die Bildung von Faserknorpel an. Sie ist ein einfaches, kostengünstiges Verfahren mit guten Kurzzeitergebnissen, aber begrenzter Langzeitfähigkeit. Für größere Defekte bei jüngeren Patienten sind höherwertige Verfahren vorzuziehen: Die matrixinduzierte autologe Chondrozytentransplantation (MACI) nutzt körpereigene Knorpelzellen, die in vitro vermehrt und auf einer Trägermatrix in den Defekt eingebracht werden. Sie zeigt in Langzeitstudien überlegene Ergebnisse bei Defekten über 2 bis 4 cm² und bei jüngeren, aktiven Patienten.

Teil 2: Bursitis am Kniegelenk

Was ist ein Schleimbeutel?

Schleimbeutel (Bursen) sind flüssigkeitsgefüllte Gewebesäcke, die an mechanisch beanspruchten Stellen zwischen Sehnen, Muskeln, Knochen und Haut die Reibung reduzieren. Am Kniegelenk gibt es mehrere klinisch relevante Schleimbeutel.

Bursa praepatellaris – die häufigste Form

Die Bursitis praepatellaris – Entzündung des Schleimbeutels vor der Kniescheibe – entsteht klassischerweise durch anhaltenden Druck auf das Knie (etwa kniende Tätigkeit) oder durch direkte Traumata. Berufsgruppen wie Fliesenleger, Gärtner oder Elektriker sind häufig betroffen. Die Symptome sind typisch: eine sichtbare, teigige Schwellung direkt über der Kniescheibe, die druckschmerzhaft, aber oft wenig schmerzhaft in Ruhe ist. Rötung und Wärme weisen auf eine infektiöse oder entzündliche Genese hin.

Weitere relevante Bursen am Knie

Die Bursa infrapatellaris liegt unterhalb der Kniescheibe und kann bei Überlastung der Patellasehne entzündet sein. Die Bursa anserina befindet sich an der Knieinnenseite und ist besonders bei Adipositas und Gonarthrose betroffen – ein oft unterschätztes Beschwerdebild, das Knieinnenrandschmerzen verursacht, die leicht mit einer Meniskuserkrankung verwechselt werden.

Diagnose und Therapie

Die Diagnose erfolgt klinisch durch Inspektion und Palpation; Ultraschall bestätigt den Erguss und kann zwischen prä- und infrapatellärer Lokalisation unterscheiden. Bei Verdacht auf infektiöse Bursitis ist eine Punktion mit mikrobiologischer Aufarbeitung unbedingt erforderlich.

Therapeutisch steht bei akuter aseptischer Bursitis die Entlastung im Vordergrund – Druckentlastung durch Polsterung, Kühlung, nichtsteroidale Antirheumatika. Bei persistierendem Erguss ist die Punktion sinnvoll und effektiv. Eine intraartikuläre Kortikosteroid-Injektion kann bei therapieresistenten Verläufen kurzfristig die Entzündungsreaktion dämpfen. Bei chronisch rezidivierenden Verläufen ist die operative Bursektomie – die vollständige Entfernung des Schleimbeutels – eine zuverlässige Option mit guten Langzeitergebnissen.

Bei infektiöser Bursitis ist eine antibiotische Therapie und gegebenenfalls eine chirurgische Drainage obligat – eine Verzögerung kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

Knorpelschaden und Bursitis – auf einen Blick

  Knorpel:  Grad I–II meist konservativ | Grad III–IV ggf. Mikrofraktur oder MACI

  Bursitis: Entlastung + Punktion | bei Infektion sofortige antibiotische Therapie

  Wichtig:  Bursa anserina-Schmerz nicht mit Meniskuserkrankung verwechseln

  Prognose: Frühe Diagnose und Therapie verbessern das Ergebnis deutlich

 

Kniebeschwerden abklären – präzise Diagnose als Grundlage

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Kniescheibenschmerz: Patellaspitzensyndrom, Chondromalazie und Patellaluxation – Ursachen, Diagnose und Therapie